„Kunststück Offenbach“ – Ein Frankfurter bei den Kickers in Offenbach

„Auf keinen Fall auf den Rasen“! Der Platzwart im Stadion der Kickers Offenbach läßt keinen Zweifel daran, daß er in diesem Punkt keinen Spaß versteht. Diskutieren ist keine Option. Wahrscheinlich würde er den Rasen, wie in Asterix bei den Briten, mit der Lanze in der Hand gegen anstürmende Frankfurter bis zum Letzten verteidigen. Der Rasen wirkt wie manikürt. Es ist ein sonniger Tag und ich bin mit meinem Assistenten im Fußballstadion am Bieberer Berg, um dort die in Offenbach lebende und arbeitende Malerin Katja M. Schneider für das Fotoprojekt „Kunststück Offenbach“ zu fotografieren. Ziel dieses Fotoprojekts ist es, unterschiedliche Menschen, die in Offenbach künstlerisch tätig sind, zu porträtieren. In den vergangenen Monaten habe ich dazu bereits eine Reihe von Offenbacher Künstlern, wie z.B. den schon über 90 Jahre alten Maler und Grafiker Karl-Heinz Steib, porträtiert. Aber ich will keine „Künstler vor Staffelei“- Bilder schaffen, sondern auch deren Arbeit im Bild auf die eine oder andere Art mitschwingen zu lassen.

Warum nun ausgerechnet die Aufnahmen im Fußballstadion Bieberer Berg? Eines von Katja M. Schneiders künstlerischen Themen der letzten Jahre ist das, was sie selbst die – „Unabgeschlossenheit des Heldischen“ in der Gegenwart – nennt. Für sie sind die „Helden“ aus Fußball und anderen Sportarten zentrale Bildgestalten, die als Auslöser für ihre Bildideen Modell stehen. Nur, was sind überhaupt „Helden“? Der Held, so sagt der Philosoph Aristoteles, ist jemand, der uns ähnlich ist, mit dem wir uns identifizieren können, aber auch jemand, der uns an Größe, Kraft, Tüchtigkeit oder Streben weit überragt. Der Idealtyp des Helden liege zwischen dem Makellosen und dem Schuft. Die Schuftigkeit und Schroffheit wird ihm aber solange verziehen, wie er erfolgreich ist. Macht er aber einen Fehler – wankt seine „Herrschaft“. Jedem von uns fallen vermutlich augenblicklich Namen von gefallenen Helden ein, wie ehemalige Tennisstars, die sich nach ihrem Karriereende nicht gefangen haben und für die man sich heute nur noch „fremdschämen“ kann.

Das Ergebnis sind Gemälde, die bei Fußballfans nicht unbedingt auf Begeisterung stoßen, weil sie Aspekte hinter dem reinen Sportereignis thematisieren, die der normale Fan nicht sehen will. Sie zeigen eine Ebene hinter dem Sportereignis, die tiefer geht als der Gewinn einer Meisterschaft und etwas sehr Allgemeingültiges erkennen läßt.

Die fertige Portraitserie „Kunststück Offenbach“ wird vom 21. September bis zum 19. Oktober 2014 im Haus der Stadtgeschichte Offenbach ausgestellt werden.

Das Haus der Stadtgeschichte vereint das Stadtmuseum und das Stadtarchiv Offenbachs. Mit seinem anspruchsvollen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm hat sich das Haus als kultureller Pfeiler im östlichen Rhein-Main-Gebiet etabliert.

Volker Muth – Ein Bild von einem Unternehmen http://www.volkermuth.net

Links:

http://www.volkermuth.net

http://www.kmschneider.de

http://www.haus-der-stadtgeschichte.de

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Kleider. Leute. Machen.

Fotografien von Arbeits- und Unternehmenskultur

Im letzten halben Jahr habe ich an einer Porträtreihe von Menschen in ihrer Arbeitskleidung gearbeitet. Ich habe sie „Kleider. Leute. Machen.“ genannt. Arbeitskleidung vereint unterschiedliche Funktionen: Schuhe mit Stahlkappen oder Warn-westen tragen zur Sicherheit bei, Krawatten in Unternehmensfarben oder Hemden mit eingesticktem Firmenlogo wollen das Gemeinschaftsgefühl fördern. Arbeitskleidung kann durch Vorschriften definiert oder auch informell sein, wie etwa der weiße Arztkittel oder dunkel gehaltene Anzüge von Unternehmensberatern. Obwohl nicht explizit vorgeschrieben, entwickelte sich in vielen Branchen eine unausgesprochene Kleidungsnorm, die stark uniform wirken kann. Wie durch ein Brennglas zeigen sich in der beruflichen Montur das Selbstverständnis der Mitarbeiter und die Kultur eines Unternehmens. Zudem spiegelt Arbeitskleidung das Selbstbewußtsein der Mitarbeiter, den Stolz auf ihr Tun und die Identifikation mit ihrem Unternehmen wider.

Die Fotografie ist das ideale Medium um diese Nuancen sichtbar zu machen, denn eine Fotografie „friert“ einen  Augenblick ein. Die großen Abzüge laden dann dazu ein, den Porträtierten genauer zu betrachten. So werden Details und Zusammenhänge sichtbar, die sonst übersehen worden wären.

Vorgehen

Die Bilder der Reihe „Kleider. Leute. Machen.“ sind alle in den Unternehmen vor Ort entstanden. In einem Fall bin ich sogar fast 1.200m unter die Erde gefahren um Bergleute zu porträtieren. Alle Porträts wurden mit meiner analogen 4×5 inch Plaubel Großformat-kamera und meiner 6×6 cm Rolleiflex fotografiert. Aufgrund der Lichtverhältnisse vor Ort habe ich häufig mit einer Blitzanlage gearbeitet. Beleuchtung und geringe Schärfentiefe lösen den Porträtierten vom Hintergrund, lassen aber die charakterisierende Umgebung des Arbeitsplatzes noch erkennen.

Die Negative wurden eingescannt und die Abzüge anschließend auf großformatigen Alu-Dibond Platten digital gedruckt. Auf Retuschen oder Montagen habe ich bewusst verzichtet.

Die meisten Menschen, die ich porträtiert habe, habe ich vorher nicht gesehen. Es gab kein „Casting“. In der Regel wußte ich weder, wen ich fotografiere würde noch wo. Ich mußte immer kurzfristig entscheiden – sehen, was möglich ist und was nicht. Das ist für einen Fotografen nicht immer eine angenehme Situation aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß wenn man sich darauf einläßt und auf Überraschungen flexibel reagiert, man oft mehr erreichen kann, als wenn man alles von Beginn hätte planen können.

Für mich ist Fotografie eine Mischung aus Handwerk, Kunst und Psychologie. Wesentlich ist es, in meinen Augen, eine Beziehung aufzubauen, eine Meinung zu entwickeln. Don McCullin, ein englischer Kriegsberichterstatter hat gesagt: Photography for me is not looking, it’s feeling. If you can’t feel what you’re looking at, then you’re never going to get others to feel anything when they look at your pictures.“ Damit stimme ich vollkommen überein.

Motivation

Ich empfinde es als ein Privileg, daß ich als Fotograf in unterschiedlichste Lebenswelten einen Einblick erhalte.  Porträtfotografie ist für mich immer ein Dialog. Mit jedem meiner Bilder versuche ich die Menschen, die ich fotografiere, zu charakterisieren und eine Geschichte zu erzählen. Deshalb fotografiere ich auch vor Ort mit einem sichtbaren Hintergrund. Der einzelne Mensch steht bei mir im Mittelpunkt und für mich hat jeder eine Geschichte und verdient, es im Mittelpunkt zu stehen. Auch deshalb habe ich mich entschieden, die Bilder so groß zu vergrößern. Denn so will ich ganz normalen Menschen ein nicht alltägliches Maß an Raum und respektvoller Anerkennung geben.

Ausstellung

Die Fotografien sind nach der Ausstellung im Haus am Dom in Frankfurt vom 27. August bis zum 27. September 2013 in Gateway Gardens, am Frankfurter Flughafen zu sehen. Der Besuch der Ausstellung ist jederzeit möglich und kostenlos. Der Eingang in den Park befindet sich in der Amelia-Mary-Earhart-Straße in Gateway Gardens.

Volker Muth – Ein Bild von einem Unternehmen www.volkermuth.net

Presseecho zur Ausstellung:

FAZ 03.08.2013 RdIk Ausstellung Frankfurter Rundschau 02.08.13 RdIk Ausstellung