Kleider. Leute. Machen.

Fotografien von Arbeits- und Unternehmenskultur

Im letzten halben Jahr habe ich an einer Porträtreihe von Menschen in ihrer Arbeitskleidung gearbeitet. Ich habe sie „Kleider. Leute. Machen.“ genannt. Arbeitskleidung vereint unterschiedliche Funktionen: Schuhe mit Stahlkappen oder Warn-westen tragen zur Sicherheit bei, Krawatten in Unternehmensfarben oder Hemden mit eingesticktem Firmenlogo wollen das Gemeinschaftsgefühl fördern. Arbeitskleidung kann durch Vorschriften definiert oder auch informell sein, wie etwa der weiße Arztkittel oder dunkel gehaltene Anzüge von Unternehmensberatern. Obwohl nicht explizit vorgeschrieben, entwickelte sich in vielen Branchen eine unausgesprochene Kleidungsnorm, die stark uniform wirken kann. Wie durch ein Brennglas zeigen sich in der beruflichen Montur das Selbstverständnis der Mitarbeiter und die Kultur eines Unternehmens. Zudem spiegelt Arbeitskleidung das Selbstbewußtsein der Mitarbeiter, den Stolz auf ihr Tun und die Identifikation mit ihrem Unternehmen wider.

Die Fotografie ist das ideale Medium um diese Nuancen sichtbar zu machen, denn eine Fotografie „friert“ einen  Augenblick ein. Die großen Abzüge laden dann dazu ein, den Porträtierten genauer zu betrachten. So werden Details und Zusammenhänge sichtbar, die sonst übersehen worden wären.

Vorgehen

Die Bilder der Reihe „Kleider. Leute. Machen.“ sind alle in den Unternehmen vor Ort entstanden. In einem Fall bin ich sogar fast 1.200m unter die Erde gefahren um Bergleute zu porträtieren. Alle Porträts wurden mit meiner analogen 4×5 inch Plaubel Großformat-kamera und meiner 6×6 cm Rolleiflex fotografiert. Aufgrund der Lichtverhältnisse vor Ort habe ich häufig mit einer Blitzanlage gearbeitet. Beleuchtung und geringe Schärfentiefe lösen den Porträtierten vom Hintergrund, lassen aber die charakterisierende Umgebung des Arbeitsplatzes noch erkennen.

Die Negative wurden eingescannt und die Abzüge anschließend auf großformatigen Alu-Dibond Platten digital gedruckt. Auf Retuschen oder Montagen habe ich bewusst verzichtet.

Die meisten Menschen, die ich porträtiert habe, habe ich vorher nicht gesehen. Es gab kein „Casting“. In der Regel wußte ich weder, wen ich fotografiere würde noch wo. Ich mußte immer kurzfristig entscheiden – sehen, was möglich ist und was nicht. Das ist für einen Fotografen nicht immer eine angenehme Situation aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß wenn man sich darauf einläßt und auf Überraschungen flexibel reagiert, man oft mehr erreichen kann, als wenn man alles von Beginn hätte planen können.

Für mich ist Fotografie eine Mischung aus Handwerk, Kunst und Psychologie. Wesentlich ist es, in meinen Augen, eine Beziehung aufzubauen, eine Meinung zu entwickeln. Don McCullin, ein englischer Kriegsberichterstatter hat gesagt: Photography for me is not looking, it’s feeling. If you can’t feel what you’re looking at, then you’re never going to get others to feel anything when they look at your pictures.“ Damit stimme ich vollkommen überein.

Motivation

Ich empfinde es als ein Privileg, daß ich als Fotograf in unterschiedlichste Lebenswelten einen Einblick erhalte.  Porträtfotografie ist für mich immer ein Dialog. Mit jedem meiner Bilder versuche ich die Menschen, die ich fotografiere, zu charakterisieren und eine Geschichte zu erzählen. Deshalb fotografiere ich auch vor Ort mit einem sichtbaren Hintergrund. Der einzelne Mensch steht bei mir im Mittelpunkt und für mich hat jeder eine Geschichte und verdient, es im Mittelpunkt zu stehen. Auch deshalb habe ich mich entschieden, die Bilder so groß zu vergrößern. Denn so will ich ganz normalen Menschen ein nicht alltägliches Maß an Raum und respektvoller Anerkennung geben.

Ausstellung

Die Fotografien sind nach der Ausstellung im Haus am Dom in Frankfurt vom 27. August bis zum 27. September 2013 in Gateway Gardens, am Frankfurter Flughafen zu sehen. Der Besuch der Ausstellung ist jederzeit möglich und kostenlos. Der Eingang in den Park befindet sich in der Amelia-Mary-Earhart-Straße in Gateway Gardens.

Volker Muth – Ein Bild von einem Unternehmen www.volkermuth.net

Presseecho zur Ausstellung:

FAZ 03.08.2013 RdIk Ausstellung Frankfurter Rundschau 02.08.13 RdIk Ausstellung

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Theater ist Arbeit!

Fotografien der Proben zu „Leonce und Lena“ in der Naxos Halle

Vermutlich nur wenige Zuschauer haben eine Vorstellung davon, wieviel Vorbereitung, Auseinandersetzungen und Mühe in einer Inszenierung stecken, denn es gilt „von nix kommt nix“ – Theater ist Arbeit!

Mit meinen Fotografien habe ich versucht, diesen Prozeß und die kreative Arbeitsatmosphäre der Proben einzufangen. Das Ergebnis dieser Arbeit sehen Sie an den Wänden des Foyers.

Regisseur bei der Arbeit

Begleitend zur Inszenierung von Georg Büchners „Leonce und Lena“ durch die Regisseurin Joanna-Maria Praml werden dort meine Fotografien der Proben ausgestellt.

Die Ausstellung kann jeweils ab dem Nachmittag und abends vor den Aufführungen im Foyer der Naxoshalle an der Waldschmidtstraße 19, seit dem 13. September, besucht werden. Der Eintritt zur Fotoausstellung ist frei. Der Zugang über die Wittelsbacherallee 29 ist zurzeit wegen einer Baustelle gesperrt! Bitte deshalb den Zugang in der Waldschmidtstraße 19 benutzen. Weitere Informationen zu Aufführungsterminen und dem Theater Willy Praml unter www.theater-willypraml.de

Volker Muth – Ein Bild von einem Unternehmen www.volkermuth.net