Kirsten Bruhn – Porträt einer Sportlerin

Kaum hatte ich meinem Assistenten mitgeteilt, daß wir für einen Porträtauftrag demnächst nach Berlin fahren würden, um dort eine mehrmalige Paralymics Goldmedaillengewinnerin für einen ihrer Sponsoren zu fotografieren, als er wie aus der Pistole geschossen fragte „Ist es die Schwimmerin Kirsten Bruhn? Ich habe sie heute im Morgenmagazin gesehen.“ Ich war baff – denn er hatte Recht, es war Frau Bruhn, die ich porträtieren sollte. So ging mir das nun mehrmals. Der Verantwortliche der  Berliner Bäder Betriebe rollte mir buch-stäblich den roten Teppich aus – „Frau Bruhn wollen Sie fotografieren? Da unterstützen wir Sie gerne!“ Ich war also gespannt sie, eine der erfolgreichsten Aktiven im deutschen Behindertensport, kennenzulernen.

Es war ein ungemütlicher, naßkalter Morgen als wir am Olympiastützpunkt Berlin-Hohenschönhausen, ihrem Trainingsort, ankamen. In der Nacht hatte es geschneit, aber der Schnee taute schon, und wir stapften durch den Schneematsch zur Schwimmhalle. Porträtfotografie ist für mich ein Dialog mit einem Menschen. Mir geht es darum, in meinen Bildern den Charakter meines Gegenübers durchscheinen zu lassen. Das kann manchmal anstrengend sein, hier war das überhaupt nicht der Fall. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich bei Fotoaufnahmen soviel gelacht habe, wie dort. Die vier Stunden vergingen schnell, und den Rollstuhl im Hintergrund habe ich irgendwann darüber vergessen. Ich denke, dies kann man an den Bildern gut sehen. Die lustigen Dinge allerdings sind auf den fertigen Bildern nicht zu sehen, wie z.B. mein Assistent, der im Wasser schwimmend mit einer Hand einen Reflektor hält um Frau Bruhn, die auf dem Startblock sitzt, aufzuhellen.

Auf der langen Fahrt zurück nach Frankfurt haben wir uns noch lange unterhalten und waren sicher, einen sympathischen und bodenständigen Menschen porträtiert zu haben, den man das Lebensmotto „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ sofort abnimmt.

Kirsten Bruhn ist eine von drei Porträtierten in dem deutschen Dokumentarfilm „Gold – Du kannst mehr als Du denkst“, der auf der Berlinale 2013 in der Rubrik „Berlinale Spezial“ gezeigt wurde. Der Film läuft seit dem 28. Februar in die deutschen Kinos und erzählt die Lebensgeschichten dreier außergewöhnlicher Menschen und Spitzensportler: des blinden Marathonläufer Henry Wanyoike aus Kenia, eben Kirsten Bruhns, und des australischen Rennrollstuhlfahrers Kurt Fearnley.

Weblinks: 

http://www.volkermuth.net, http://www.kirsten-bruhn.dehttp://www.du-bist-gold.de

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